Zur Bundestagswahl 2017: Mehr Bildung!

 

 

Seit einiger Zeit haben die Parteien in der Bundesrepublik das Thema der Bildung entdeckt. Fast alle Parteien wollen sich für den Fall, dass sie aufgrund der nächsten Wahlen zum Bundestag einen Regierungsauftrag erhalten, für deutlich mehr Ausgaben im Bildungssektor einsetzen.

 

Die einzelnen Parteien unterscheiden sich auf den ersten Blick vor allem nur darin, dass sie sich in dieser Forderung gegenseitig überbieten und ihren Konkurrenten vorwerfen, viel zu wenig für Bildung zu tun und falls dies die Regierungsparteien sind, dies auch viel zu spät getan zu haben.

 

Und da Bildungsfragen in unserer föderalen Republik in erster Linie in die Kompetenz der Länder fallen, aber nun Bundestagswahlen anstehen, setzen sich die Parteien auch dafür ein, dass dem Bund zumindest in der Frage der Finanzierung der Bildungsausgaben mehr Kompetenzen eingeräumt werden.

 

Es hat auch auf den ersten Blick den Anschein, als könne man in dieser Frage nichts Falsches tun. Die wichtigsten wirtschaftspolitischen Ziele scheinen auf diesem Wege gefördert zu werden. Geben wir für die Schulen mehr Geld aus, so steigt der Bildungsgrad der Jugendlichen und da nun einmal die Arbeitsproduktivität ausgebildeter Fachkräfte höher ist als die der ungelernten Arbeitskräfte, steigt mit der Produktivität der Arbeitnehmer auch das Inlandsprodukt und dieses Wachstum kommt allen Arbeitnehmern, auch den nichtakademisch ausgebildeten Arbeitnehmern zugute.

 

Und wenn nun gleichzeitig auch die Ausgaben für Forschung erhöht werden, können auch verstärkt neue produktivere Technologien entwickelt werden und der materielle Wohlstand steigt von neuem.

 

Auch das Problem einer gerechteren Einkommensverteilung scheint offensichtlich auf diesem Wege besser gelöst werden zu können. Ein akademisch geschulter Arbeitnehmer erhält auf der einen Seite ein deutlich höheres Jahreseinkommen, auf der anderen Seite ist die Gefahr der Arbeitslosigkeit geringer, da mit zunehmender Technologisierung die Nachfrage nach akademisch ausgebildeten Fachkräften zunimmt. Gerade in diesem Bereich besteht bereits heute ein enormer Fachkräftemangel. Zusätzlich entspannt sich die Arbeitsmarktlage der Akademiker auch schon deshalb, weil Akademiker in viel größerem Maße als dies für nicht spezialisierte Arbeitnehmer gilt, jederzeit auch im Ausland eine Anstellung finden können.

 

Aber diese fast nur positiven Auswirkungen bei einer Ausweitung der Bildungsausgaben gelten nur auf den ersten, sehr oberflächlichen Blick. Bei näherem Eingehen auf die Bildungsproblematik lässt sich erkennen, dass man auch auf diesem Gebiet sehr viel falsch machen kann, dass Bildungspolitik falsch angewandt durchaus auch zu höchst unerwünschten Ergebnissen führen kann.

 

Auch in dieser Frage ist eine Vorbemerkung notwendig. Bildung ist in diesem Zusammenhang eigentlich das falsche Wort, es geht in dieser Frage gar nicht um Bildung im engeren Wortsinne, sondern um Ausbildung.

 

Unter Bildung versteht man das Erlernen von Wissen, von Wissen über Fakten, aber auch über Werte. Ausbildung hingegen bezieht sich allein auf das Spezialwissen, das zur Ausübung eines Fachberufes, vor allem aber zur Erlangung von Führungspositionen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft benötigt wird. Da dieses Fachwissen für diese Aufgaben unerlässlich ist, stellt Ausbildung auch gewissermaßen die Fahrkarte für die Fachberufe und Führungspositionen dar und ist gerade deshalb äußerst umstritten.

 

Bildung im engeren Sinne kann heute fast Jeder erwerben, seit dem Bestehen des Internets kann sich Bildung nahezu Jeder fast zum Nulltarif aneignen, man benötigt hierzu nur den Zugang zum Internet, also noch nicht einmal unbedingt einen eigenen Computer.

 

Während vor dem Computerzeitalter das Wissen fast nur in wissenschaftlichen und für einen Laien nur schwer einsehbaren Fachzeitschriften erreichbar und darüber hinaus auch sehr kostspielig war, kann heutzutage Wissen über nahezu alle Wissensgebiete aus dem Internet heruntergeladen werden, es ist fast zu einem freien, für jeden zur Verfügung stehenden Gut geworden.

 

Allerdings einen entscheidenden Mangel weist dieses Wissen gegenüber früher auf. Während man im Allgemeinen früher sicher sein konnte, dass die einzelnen Artikel in den Fachzeitschriften kompetent waren und den neuesten Stand der Wissenschaft widerspiegelten, gilt diese Sicherheit nicht mehr für die aus dem Internet heruntergeladenen Artikel.

 

Die Redaktionen der wissenschaftlichen Fachzeitschriften und wissenschaftlichen Verlage sorgten selbst dafür, dass nur einwandfreie Arbeiten veröffentlicht wurden. Im Internet besteht diese Kontrolle nicht mehr, es werden hier vielmehr kunterbunt kompetente, aber auch vollkommen fehlerhafte Arbeiten veröffentlicht, jeder einzelne Nutzer muss sich in mühsamer Arbeit selbst einen Überblick darüber verschaffen, welche Arbeiten von Wissenschaftlern und welche von Scharlatanen geschrieben wurden. Und gerade dies ist schwierig für Jemanden, der am Anfang seines Strebens nach Wissen steht.

 

Wenden wir uns nun der Problematik der Ausbildung zu. Gerade weil es sich bei der Ausbildung um einen Berechtigungsschein handelt, ohne den heutzutage nur in Ausnahmefällen  eine Führungsposition erworben werden kann, wird der Zugang zu den Studienplätzen zu einem Gerechtigkeitsproblem. Es geht hierbei letzten Endes um die Frage, inwieweit das Ziel einer Chancengleichheit verwirklicht ist.

 

Allerdings zeigt eine nähere Analyse, dass eine befriedigende Lösung nicht einfach darin bestehen kann, dass man sicherstellt, dass jeder Jugendliche einen Studienplatz in einer Hochschule erhält. Aber gerade ein solches Ziel wird suggeriert, wenn in internationalen Rankings untersucht wird, wie viel Prozent eines Jahrgangs eine akademische Bildung erfahren haben und wenn davon gesprochen wird, dass diejenigen Länder das Ziel der Chancengleichheit um so besser erreicht haben, je höher der Platz ist, den ein Land in dieser Rankingliste erreichen konnte.

 

In Wirklichkeit sind die hier zugrundeliegenden Fragen sehr viel komplizierter, in Wirklichkeit ist in dieser Frage nicht in jedem Falle ein ‚Mehr‘ auch ein ‚Besser‘, auch in dieser Frage gibt es ein Zuviel und es kann deshalb unter gewissen Umständen der Anteil der akademisch Ausgebildeten auch zu hoch sein.

 

Zwei Probleme sind in diesem Zusammenhang von Bedeutung. Erstens: Wie steht es mit der Aussicht eines Arbeitnehmers mit akademischer Ausbildung, auch tatsächlich einen Arbeitsplatz erwerben zu können, der eine akademische Ausbildung verlangt und welcher eine Führungsposition garantiert? Zweitens: Hat auch jeder Jugendliche die Befähigung, ein Studium erfolgreich abzuschließen und wie sind die Berufsaussichten jener Studierenden, welche das Studium aus Mangel an Begabung abbrechen müssen?

 

Wenden wir uns zunächst der ersten Frage zu. Wir haben hier als erstes davon auszugehen, dass hochspezialisierte Facharbeitsplätze und vor allem Führungspositionen nur einen kleinen Teil aller Arbeitsplätze ausmachen, dass weiterhin die Technik mehr oder weniger vorschreibt, wie viel Führungspositionen benötigt werden und dass es keine Möglichkeit gibt, die Arbeitsplätze so umzugestalten, dass jeder Arbeitnehmer eine solche gehobene Position einnehmen kann.

 

Fast ex definitione kann immer nur ein kleiner Teil eine Führungsposition einnehmen und wenn alle Arbeitnehmer mit gleichen Rechten und Pflichten ausgestattet wären, dann gäbe es gerade deshalb auch keine Führungsposition mehr. Gerade aus diesen Gründen kann Gerechtigkeit im Hinblick auf die Übernahme von Führungspositionen auch niemals einfach daran gemessen werden, ob alle Arbeitnehmer bzw. wie viel Arbeitnehmer eine gleichwertige Position einnehmen können.

 

Im Zusammenhang mit der Besetzung von Führungspositionen wird immer der größte Teil der Arbeitnehmer leer ausgehen und leer ausgehen müssen. Und dies bedeutet, dass die Forderung nach Gerechtigkeit nicht bereits dann verletzt ist, wenn nicht jeder Arbeitnehmer eine gleichhohe Position erreichen kann.

 

Man könnte dieses Problem nun dadurch zu lösen versuchen, dass zwar immer nur ein kleiner Teil der Arbeitnehmer eine Führungsposition tatsächlich erwirbt, dass aber trotzdem jeder Arbeitnehmer prinzipiell diese Positionen erwerben könnte, sofern er sich nur ausreichend anstrengen würde. Und dann liege es eben am fehlenden Einsatz eines Jeden, wenn er keine Führungsposition erreicht hat. Die Gesellschaft habe lediglich die Aufgabe dafür zu sorgen, dass prinzipiell jeder die Möglichkeit habe, an die höchste Spitze der Organisationen zu gelangen.

 

Anstatt das Ziel zu verfolgen, möglichst vielen Jugendlichen eine akademische Ausbildung zu ermöglichen, wäre es besser, Sorge dafür zu tragen, dass Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ins Gleichgewicht kommen, dass also soviel Arbeitnehmer eine akademische Ausbildung erfahren wie auch auf dem Arbeitsmarkt Arbeitsplätze angeboten werden, welche eine akademische Ausbildung voraussetzen.

 

Wenn man dieses Ziel verfolgt, dann gibt es nicht nur ein Zuwenig, sondern auch ein Zuviel an Akademikern. Beide Ungleichgewichte führen zu erheblichen Schwierigkeiten.

 

Mangelt es an akademisch ausgebildeten Arbeitskräften und können deshalb nicht alle hierfür vorgesehenen Arbeitsplätze besetzt werden, so können bestimmte Produkte nicht mehr oder nur sehr unvollkommen produziert werden; sie werden deshalb mit einer geringeren Qualität hergestellt. Kommt es zu Produktionsausfällen, sind hiervon auch die nichtakademischen Arbeitnehmer negativ betroffen, denn es fallen dann bei einer Produktionseinstellung eben auch die komplementären Arbeitsplätze, also diejenigen Arbeitsplätze weg, welche den Nichtakademikern vorbehalten sind.

 

Mangelt es zusätzlich an wissenschaftlichen Fachkräften, dann kommt auch die Forschung ins Stocken und mit der Forschung werden auch weniger neue Technologien entwickelt, sodass auch die langfristige Wachstumsrate des Inlandsproduktes zurückgeht. Es liegt also sehr wohl im Interesse der gesamten Bevölkerung, dass ein zu geringes Angebot an Akademikern so weit wie nur möglich vermieden wird.

 

Wenn aber das Angebot an Akademikern größer ausfällt als die Nachfrage nach solchen Facharbeitskräften, dann sind die volkswirtschaftlichen Schäden in gleicher Weise groß. Der Satz, lieber ‚zu viel‘ als ‚zu wenig‘ Ausbildung ist somit eindeutig falsch.

 

Wenn es nämlich an geeigneten Arbeitsplätzen für die ausgebildeten Akademiker mangelt, gehen immer mehr Akademiker bei der Suche nach einem für sie angemessenen Arbeitsplatz leer aus. Sie bleiben zwar in aller Regel trotzdem nicht arbeitslos, sondern erhalten eine Arbeit, für die sie überqualifiziert sind.

 

Überqualifiziert heißt nun keineswegs, dass sie die ihnen nun zugewiesene Arbeit überdurchschnittlich gut verrichten können, nein, sie sind ja für diese Tätigkeiten eben gerade nicht ausgebildet und gerade deshalb bringen sie auch nicht die für diese Arbeiten notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse mit.

 

Es kommt noch hinzu, dass gerade deshalb, weil nun dieser Teil der Akademiker nicht die Tätigkeiten verrichten darf, für die sie ausgebildet wurden und die sie sich erhofft hatten, auch ihre allgemeine Zufriedenheit sinkt, welche sich selbst wiederum auf ihre Produktivität negativ auswirkt. Es kommt noch hinzu, dass diese Arbeitskräfte auf diesen untergeordneten Stellen weniger verdienen, als sie eigentlich erhofft hatten.

 

Wir stellen also fest, dass sowohl für die Akademiker mit einer Überqualifizierung als auch für die gesamte Gesellschaft der materielle Wohlstand aufgrund eines Überangebotes an Akademikern zurückgeht.

 

Aber genauso schlecht geht es derjenigen Arbeitnehmergruppe, welche auf diesen Arbeitsplätzen bisher beschäftigt war und nun von diesen Akademikern von ihren Arbeitsplätzen vertrieben wurde. Auch diese Arbeitnehmer erhalten im Allgemeinen wiederum einen Arbeitsplatz, aber auch für sie gilt, dass sie nun für diese Tätigkeit wiederum überqualifiziert sind mit allen gerade beschriebenen Nachteilen einer Überqualifizierung. Auch sie sind nun für ihre jetzigen Arbeiten unzureichend ausgebildet, auch sie sind unzufrieden, dass sie verdrängt wurden, sie werden also auch wiederum für die Allgemeinheit weniger leisten können und auch deshalb weniger Einkommen als bisher erhalten.

 

Dieses Los gilt aber nicht nur für die Arbeitnehmerschicht, welche von den erwähnten Akademikern verdrängt wurde. Der Verdrängungswettbewerb setzt sich nämlich in der Hierarchie der Arbeitsplätze bis nach unten fort, die Unzufriedenheit verbreitet sich also der Tendenz nach auf alle Arbeitnehmergruppen aus und am negativsten sind die Arbeitnehmer betroffen, welche bisher auf der untersten Stelle beschäftigt waren, im Gegensatz zu all den anderen Arbeitskräften bleiben sie nach der Verdrängung von ihren bisherigen Arbeitsplätzen arbeitslos. Also haben wir negative Folgen auf der ganzen Linie zu befürchten, wenn das Angebot an Akademikern höher ist als die Nachfrage.

 

Natürlich können wir hier nur von einer Tendenz sprechen. Wie viel Arbeitnehmer tatsächlich von diesem Verdrängungswettbewerb betroffen sind, hängt entscheidend davon ab, wie groß der Nachfrageüberhang auf den Märkten für Akademiker ist. Würde nur ein einzelner akademisch ausgebildeter Arbeitnehmer keine seiner Ausbildung entsprechende Arbeitsstelle finden, dann wäre auch der Umfang der Arbeitnehmer, welche von diesem Verdrängungswettbewerb insgesamt betroffen sind, klein. Umgekehrt gilt, dass dann, wenn überhaupt kein Akademiker eine sachgerechte Arbeitsstelle vorfinden würde, das Ausmaß an Verdrängungswettbewerb recht groß wäre.

 

Wie steht es aber mit der Betroffenheit der Arbeitgeber, ist auch für sie dieser Verdrängungswettbewerb negativ? Voreilig könnte man zu dem Schluss kommen, dass die Arbeitgeber die Gewinner dieser Situation sind, da die Interessen der Arbeitnehmer den Interessen der Arbeitgeber widersprechen: Jeder Euro, den die Gewerkschaften den Arbeitgebern abtrotzen, vermindere den Gewinn der Unternehmer. Umgekehrt gelte, dass jeder Euro, den die Unternehmer ihren Arbeitnehmern vorenthalten, den Unternehmungsgewinn vergrößere.

 

Aber so einfach liegen die hier zugrundeliegenden Zusammenhänge nicht. Wir erwähnten bereits, dass die Akademiker, welche überqualifiziert arbeiten, schlechtere Arbeit liefern und dies gilt gleichermaßen für alle verdrängten Arbeitnehmer. Und dies bedeutet, dass auch der Gewinn der Unternehmer zurückgeht.

 

Es kommt noch hinzu, dass in Tarifverhandlungen die Vergütungen für die einzelnen Lohnklassen an der Ausbildung der jeweiligen Arbeitnehmer ausgerichtet sind, sodass die Arbeitgeber verpflichtet sind, diesem Teil der Akademiker ein höheres Gehalt auszuzahlen, als sie den nichtakademischen Arbeitnehmer auf dieser Stelle gezahlt hätten.

 

Wir kommen also zu dem Ergebnis, dass ein Angebotsüberhang bei den Arbeitsplätzen für Akademiker nahezu alle Bevölkerungsgruppen benachteiligt: die betroffenen Akademiker, vor allem die Akademiker, welche zwar eine ihrer Ausbildung entsprechende Arbeitsstelle gefunden haben, aber wegen der Arbeitsmarktlage (wegen des Angebotsüberhanges) auch eine etwas geringere Bezahlung befürchten müssen.

 

Weiterhin erleiden die jeweils verdrängten nichtakademischen Arbeitnehmer Schaden, der Gewinn der Unternehmer ist geringer und schließlich erleiden die Konsumenten Verluste, da aufgrund der wachsenden Unzufriedenheit der Arbeitnehmer auch die Qualität der Produkte leidet.

 

Welche Schlussfolgerungen ergeben sich aus diesen Überlegungen für das Ziel, den Ausbildungsmarkt, also den Zugang zu den Hochschulen und Universitäten möglichst für alle Jugendliche zu öffnen? Startchancengleichheit kann also dann auch nicht bedeuten, dass alle Arbeitnehmer ein Recht auf einen Arbeitsplatz haben, welcher eine akademische Ausbildung voraussetzt. Die Realisierung einer solchen Forderung ist aus technischen Gründen gar nicht möglich.

 

Wie kann aber dann dennoch der Forderung nach Chancengleichheit entsprochen werden? Es gibt im Grunde nur zwei Möglichkeiten. Die naheliegende Lösung liegt darin, dass jeweils denjenigen Arbeitnehmern diese Positionen eingeräumt werden, welche für diese Arbeitsstellen die beste Eignung aufweisen. Eine solche Lösung ist sowohl für die Allgemeinheit vorteilhaft, denn nur dann wird auch ein optimales Wirtschaftsergebnis ermöglicht.

 

Diese Lösung ist aber auch für die betroffenen Arbeitnehmer zumindest annehmbar, sie selbst profitieren davon, dass in diesem Falle das Durchschnittseinkommen am höchsten ist, was normaler Weise auch das individuelle Einkommen der Meisten etwas steigen lässt und wenn man schon nicht an an der vordersten Stelle stehen kann, ist es immerhin am ehesten annehmbar, wenn der Ausgewählte die höhere Leistung erbringt.

 

Technisch gesehen könnte man auch in kurzen Zeitabständen, also z. B. jeden Tag, die Leitung einer Organisation wechseln, dann könnte theoretisch jeder einmal die Leitung übernehmen. Dies war ja auch die Lösung, welche dem Prinzip nach im klassischen Stadtstaat Athen als Demokratie praktiziert wurde. Es leuchtet aber ohne Weiteres ein, dass dies eine sehr schlechte Lösung darstellt.

 

Auf der einen Seite hatte damals im Athener Stadtstaat sehr schnell trotzdem nur einer, nämlich Perikles das Sagen, de facto war der Anteil der Bürger an der Ausführung der Macht nahezu null. Auf der anderen Seite setzte in der damaligen Zeit die Leitung eines Gemeinwesens auch sehr viel weniger Sachverstand und Kenntnisse voraus als heutzutage. Es bleibt also dabei, dass es aus technischen Gründen für alle das Beste ist, dass die Leitung  denjenigen übertragen wird, welche die höchste Leistungsfähigkeit aufweisen.

 

Aber auch in diesem Falle gilt es die weitere Frage zu klären, an welcher Stelle denn die dann notwendige Auswahl vollzogen werden soll. Unsere bisherigen Überlegungen haben bereits gezeigt, dass es eine besonders schlechte Lösung darstellt, wenn man jedem Jugendlichen, unabhängig von seinen Begabungen und schulischen Leistungen ein akademisches Studium ermöglicht und es dann dem freien Spiel von Angebot du Nachfrage überlässt, wem dann die besten Arbeitsstellen angeboten werden.

 

Eine solche Lösung ist unbefriedigend, weil in diesem System Erwartungen geweckt werden, die dann in Wirklichkeit gar nicht erfüllt werden können und weil wie gezeigt in diesem Falle ein erbarmungsloser Verdrängungswettbewerb stattfindet, bei dem nahezu Jeder Nachteile erfährt.

 

Ein zweiter Weg kann darin bestehen, dass die Auslese an den Hochschulen stattfindet, ein Weg, der de facto zumindest im Ansatz praktiziert wird, denn ein akademisches Zeugnis, das einer Eintrittskarte zu den leitenden Führungspositionen gleicht, erhalten nur diejenigen, welche das Examen bestanden haben.

 

Eine solche Lösung hat immerhin den Vorteil, dass die Auswahl hier nach dem nachgewiesenen Wissen erfolgt, allerdings gilt es zu bedenken, dass in jedem Examen auch gewisse Zufälligkeiten über die Note entscheiden und dass weiterhin die Befähigung für Leitungspositionen ja nicht nur von den erworbenen Kenntnissen abhängt, ein Tatbestand, der dann auch dazuführt, dass die Arbeitgeber ihre Auswahl keineswegs nur nach der erreichten Note im Examen treffen.

 

Eine weitere Schwierigkeit entsteht bei diesem zweiten Lösungsweg dadurch, dass immer dann, wenn die Auslese erst mit dem Hochschulexamen, also am Ende des Hochschulstudiums  erfolgt, diejenigen, welche das Ziel, am Ende des Studiums das Examen zu bestehen, nicht erreichen, einen hohen Preis zu zahlen haben.

 

Gerade jüngste empirische Untersuchungen machen darauf aufmerksam, dass ein beachtlicher Teil, etwa ein Drittel der Studienanfänger ihr Studium abbricht und so gar nicht zum Examen antritt. Ein solcher Schritt bedeutet jedoch, dass diese Gruppe von Studenten einige Jahre ihres Lebens vergeudet haben, da sie nun verspätet ins Erwerbsleben eintreten und deshalb auch ein geringeres Lebenseinkommen erwarten müssen.

 

Es kommt noch hinzu, dass der Umstand, dass sie den zunächst eingeschlagenen Weg vorzeitig abgebrochen haben, von einigen zukünftigen Arbeitgebern eher als Indiz dafür genommen wird, dass sie nicht zielstrebig sind und sich gerade aus diesen Gründen auch nicht für Positionen eignen, die zwar kein akademisches Examen, aber sehr wohl die Fähigkeit für zielgerichtetes Handeln voraussetzen.

 

Der Umstand, dass diese Gruppe von Studenten mehrere Jahre die den Hochschulen zur Verfügung gestellten knappen Ressourcen benutzt haben, ohne dass die Gesellschaft später einmal Nutzen aus diesen Investitionen ziehen kann, trägt ebenfalls dazu bei, dass dieser Weg gesamtwirtschaftlich betrachtet als unerwünscht angesehen werden muss.

 

Man kann schließlich die notwendige Auslese auch bereits beim Antritt zum Studium festlegen, indem man die Berechtigung zum Studium davon abhängig macht, dass die Studienanwärter das Abitur mit einer bestimmten Mindestnote bestanden haben müssen, um zum Studium zugelassen zu werden.

 

Dieser Weg wird in Praxis ebenfalls bereits gewählt. Da allerdings der Ausgang jedes Examen, also auch des Abiturs, bisweilen aufgrund von Zufälligkeiten zustande kommt und da es auch Jugendliche gibt, deren Begabung erst überdurchschnittlich spät erkannt wird, sehen die Zulassungsordnungen zumeist vor, dass das Abitur auch nachträglich auf Abendgymnasien erworben werden kann.

 

Eine etwas andere Art von Auslese findet de facto dort statt, wo die Hochschulgesetze einen Numerus clausus vorsehen und auf diese Weise von vornherein die Zahl der Studienanfänger in bestimmten Studienfächern gezielt begrenzen. Auch dann, wenn die Begrenzung in der Vergangenheit zumeist deshalb erfolgte, weil der Staat sich außer Stande sieht, Studienplätze in dem von den Studenten gewünschten Umfang zur Verfügung zu stellen, könnte man die Zulassung auch daran ausrichten, inwieweit von den Unternehmungen Arbeitsplätze für spezielle Studienabschlüsse angeboten werden.

 

Wovon hängt es nun ab, welche Fähigkeit zum Studium die einzelnen Jugendlichen aufweisen? Sicherlich bestimmen mehrere Faktoren, wieweit ein Jugendlicher die Befähigung zu einem bestimmten Studium aufweist.

 

Als erstes hängt diese Befähigung sicherlich zu einem beachtlichen Anteil von erblichen Faktoren ab. Im Verlaufe der Geschichte gab es immer wiederum Familien, welche in weit überdurchschnittlichem Umfang Spitzenbegabungen aufwiesen. Auf der anderen Seite gilt für viele Jugendliche, dass sie schon aufgrund ihrer Herkunft keinerlei Eignung und auch Neigung zu intellektuellen Leistungen aufweisen und deshalb nicht in der Lage wären, mit Erfolg auch bei größten individuellen Anstrengungen ein Studium aufzunehmen und zu Ende zu führen.

 

Dies bedeutet selbstverständlich nicht etwa, dass diese Gruppe von Jugendlichen über überhaupt keine Fähigkeiten verfügt. Es gibt auch stärker handwerklich ausgerichtete Fähigkeiten, die in unserer Gesellschaft genauso wie intellektuelle Fähigkeiten benötigt werden, ganz davon abgesehen, dass es auch so etwas wie Herzensbildung gibt und dass Verantwortlichkeit keinesfalls immer mit den mehr technischen Fähigkeiten einhergeht.

 

Neben den Erbfaktoren hängt jedoch die Befähigung zu einem intellektuellen Beruf ebenso zu einem beachtlichen Anteil davon ab, wie diese Erbfaktoren in den allerersten Jahren der Kindheit genutzt und gefördert werden. Kinder entwickeln schon sehr früh eine angeborene Neugier. Es hängt nun ganz entscheidend davon ab, wie die Eltern (und auch die sonstigen Erzieher) auf diese Neugier reagieren.

 

Wenn die Erzieher das Kind zu diesem Erkundungsverhalten ermuntern, sind die besten Voraussetzungen erfüllt, dass diese Jugendlichen auch später in dem Erkunden neuen Wissens ein anzustrebendes Ziel sehen und die Bereitschaft entwickeln, zur Erreichung dieses Zieles auch Mühen aufzuwenden. Ernsthaftes Lernen ist nie ein reines Vergnügen, sondern artet oft in Knochenarbeit aus.

 

Werden jedoch diese Erkundungsschritte der Kleinkinder von ihren Eltern abgeblockt, besteht sehr leicht die Gefahr, dass diese Kinder für immer das Interesse an intellektueller Arbeit verlieren und nicht mehr bereit sind, die mit einem Studium immer verbundenen Mühen auf sich zu nehmen.

 

Nun wird man in der Tat davon ausgehen müssen, dass Kinder, deren Eltern Akademiker sind, die größere Wahrscheinlichkeit mitbringen, für ein Studium geeignet zu sein als Kinder von Nichtakademikern. Sie besitzen im Durchschnitt die geeigneteren Erbanlagen, auch ist die Wahrscheinlichkeit bei ihnen größer, dass das Neugierverhalten in den ersten Kinderjahren eher belohnt wird.

 

Diese Feststellung gilt jedoch nur für den Durchschnitt. Bezogen auf jeden Einzelfall muss berücksichtigt werden, dass Begabungen stark streuen. Dies bedeutet, dass es sowohl Kinder von Akademikern gibt, die geringe Begabungen für intellektuelle Berufe mitbringen, als auch Kinder von Nichtakademikern, welche trotz dieser Wahrscheinlichkeiten eine hohe Begabung für intellektuelle Berufe aufweisen.

 

Der Grund hierfür liegt darin, dass die Erbanlagen bei jeder Geburt neu gemischt werden, jedes Kind erhält bei der Zeugung Erbanlagen beider Elternteile, weiterhin finden bei der Geburt immer wieder Mutationen statt, aufgrund derer Erbanlagen verändert werden.

 

Und dies bedeutet, dass es keine Rechtfertigung dafür gibt, dass nur oder auch vorwiegend Kinder von Akademikern das Studium an Hochschulen beginnen. Chancengleichheit ist nur gewährleistet, wenn auch denjenigen, welche zwar Nichtakademiker zu Eltern haben, aber trotzdem Begabungen für intellektuelle Berufe aufweisen, der Zugang zu den Hochschulen offen steht.

 

Dass de facto viele Jugendliche aus Nichtakademikerkreisen kein Hochschulstudium ergreifen, liegt allerdings außer den bisher erwähnten Faktoren auch daran, dass die Eltern ihren Kindern kein Studium ermöglichen, weil ein Studium erstens für die Studierenden Kosten verursacht und zweitens auch bedeutet, dass die Jugendlichen mehrere Jahre später Erwerbseinkommen erzielen können und deshalb noch von den Eltern finanziell unterstützt werden müssen, obwohl einige Eltern eher von ihren Kindern eine finanzielle Unterstützung erwarten.

 

Gerade um diese Gefahren zu vermeiden, wurde in der Vergangenheit erstens eine Begabtenförderung eingeführt, aufgrund derer jeder Student, welcher schon in den ersten Semestern mit Leistungsscheinen seine Begabung nachweisen kann, von der Zahlung der Hochschulgebühren befreit wurde. Zweitens erhalten Studenten, deren Einkommen ihrer Eltern ein bestimmtes Einkommen nicht überschreiten, einen zinslosen oder zinsvergünstigten Kredit, den sie dann, wenn sie ihr Examen bestanden und eine entsprechende Anstellung gefunden haben, in kleinen Raten zurückzuzahlen haben.

 

Diese Förderung halten nun einige Parteien für zu gering und sie werben um die Wähler mit dem Argument, jedem Jugendlichen eine kostenlose Ausbildung zu ermöglichen, von den ersten Kita-Plätzen bis zum Universitätsstudium. Gegenüber der jetzigen Regelung in einem Teil der Bundesländer sollen vor allem alle Hochschulgebühren abgeschafft werden.

 

Eine solche Regelung hätte jedoch eine inverse Einkommensumverteilung zur Folge. Von inverser Umverteilung spricht man immer dann, wenn das Einkommen zu Lasten der Empfänger geringeren Einkommens und zugunsten höherer Einkommen umverteilt werden. Im Rahmen der Verteilungspolitik zählt es eigentlich zu den wichtigsten Grundsätzen, die stets beachtet werden sollten, dass eine inverse Umverteilung in jedem Falle vermieden werden sollte.

 

Warum aber müssen wir dann, wenn die gesamten Ausbildungskosten mit Steuergeldern finanziert werden, von einer inversen Umverteilung sprechen? Fragt man nach dem durchschnittlichen Einkommen, das die Erwerbstätigen zeit ihres Lebens erhalten, so ist das durchschnittliche Lebenseinkommen der Akademiker deutlich höher als das der Nichtakademiker.

 

Finanziert somit der Staat die im Zusammenhang mit dem Hochschulstudium entstehenden direkten Ausbildungskosten über das Steueraufkommen, so tragen die Nichtakademiker mit ihrer Einkommensteuer indirekt dazu bei, dass das Lebenseinkommen der Akademiker erhöht wird.

 

Die bei einem Hochschulstudium entstehenden Kosten können aus der Sicht der Studierenden als eine Art Investition angesehen werden. Investitionen bedeuten stets, dass in der heutigen Lebensphase Kosten in Kauf genommen werden, um das Einkommen in späteren Lebensphasen zu erhöhen. Es gibt keinen Grund dafür, dass die Nichtakademiker diese Investitionskosten der Akademiker mittragen.

 

Die mit einem Studium verbundenen finanziellen Schwierigkeiten bestehen nämlich nicht darin, dass die Akademiker ein zu geringes Lebenseinkommen haben, das es gilt staatlicherseits anzuheben. Ihre finanzielle Schwierigkeit besteht vielmehr darin, dass sie eigentlich Kredite auf ihr Zukunftseinkommen nehmen müssten, aber auf normalem Wege keine Kredite auf ihr zukünftiges Einkommen aufnehmen können. Private Banken gewähren nur dann einen Kredit, wenn der Kreditnehmer Sicherheiten bieten kann, wenn er also auch in der Lage ist, diesen Kredit in der Zukunft zurückzuzahlen.

 

Aber gerade diese Sicherheit kann der einzelne Studierende während der Studienzeit, für die er diese Kredite benötigt, nicht geben. Weder ist sicher, ob er nicht das Studium vorzeitig abbricht oder das Examen nicht besteht oder schließlich trotz bestandenem Examen keine adäquate Arbeitsstelle finden wird.

 

Die Hilfe, welche die Studierenden benötigen, besteht also nicht primär in einer sozialen Umverteilung, bei der die Gruppe der Studierenden auf Kosten der Allgemeinheit und damit auch der Nichtakademiker begünstigt wird, sondern in einer zeitlichen Umschichtung des Lebenseinkommens der Akademiker. Eine staatliche Hilfe ist hier notwendig, weil in einer Marktwirtschaft eine Kreditnahme seitens der Studenten aus den genannten Gründen nicht möglich ist.

 

Gerade aufgrund dieser Schwierigkeiten wurde schon sehr früh in der Nachkriegszeit das Honnefer Modell eingeführt, das den Studierenden, deren Eltern aufgrund eines zu geringen Einkommens nicht zugemutet werden kann, die aufgrund eines  Studium entstehenden Kosten zu übernehmen, ein Darlehen gewährt, das sie später nach Abschluss des Studiums prinzipiell zurückzuzahlen haben.

 

In geringem Umfang findet allerdings auch bei dieser Lösung eine begrenzte echte soziale Umverteilung statt. Auf der einen Seite kann nämlich nur demjenigen Studierenden eine volle Zurückzahlung zugemutet werden, der sein Studium mit Erfolg beenden konnte und aufgrund seines bestandenen Examens auch eine adäquate Beschäftigung gefunden hat.

 

Auf der anderen Seite geht der Staat bei der zurückzuzahlenden Kreditsumme von einem geringeren als bei privaten Krediten üblichen Zinssatz aus.

 

Ein für alle Studierenden geltendes kostenloses Studium bedeutet somit eine unerwünschte inverse Einkommensumverteilung zu Lasten der Nichtakademiker. Es gibt keinen überzeugenden Grund dafür, dass die Nichtakademiker über ihre Steuerlasten die Akademiker subventioniert.

 

Man könnte vielleicht einwenden, dass eine staatliche Finanzierung der Hochschulen mittels des allgemeinen Steueraufkommens insofern berechtigt sei, da ja die Hochschulen wesentlich dazu beitragen, dass unser Wissen vergrößert wird und dass aufgrund dieses Wissens neue Technologien bei der Produktion der Güter angewandt werden können, welche das Inlandsprodukt und damit auch das reale Einkommen der Nichtakademiker erhöht.

 

Diese Wirkung tritt in der Tat ein, allerdings weniger dadurch, dass der Staat die Kosten der einzelnen Studierenden übernimmt, sondern vorwiegend dadurch, dass die an den Hochschulen ausgeübte Grundlagenforschung sowie die Kosten der Infrastrukturinvestitionen mit Steuergeldern finanziert werden. Und nur insofern ist es berechtigt, auch Nichtakademiker zur Finanzierung der Grundlagenforschung in dem Umfang zu beteiligen, in dem sie auch von den Resultaten dieser Forschung letztendlich profitieren.

 

In gleicher Weise ist es unerwünscht, dass der Staat diese Ausbildungskosten für jeden, das heißt auch für Millionäre und Milliardäre, übernimmt, obwohl diese Familien die Ausbildungskosten ohne große Schwierigkeiten übernehmen könnten und obwohl hier auch keinerlei Gefahr bestünde, dass die Eltern diese Kosten nicht übernehmen würden, wenn der Staat auf eine allgemeine Subventionierung verzichten würde.

 

Selbst dann, wenn der Staat im Gegenzug den Superreichen dadurch wiederum diese Subventionen entziehen würde, in dem er den Steuersatz für diese Gruppe erhöht, müsste man immer noch von einer unbefriedenden Lösung sprechen. Es ist höchst ineffizient (da mit höheren Verwaltungskosten verbunden), wenn man einer Bevölkerungsgruppe zunächst etwas schenkt um dann diesen Betrag sofort wiederum durch eine Erhöhung des Steuersatzes wegzunehmen. Es ist für den Staat billiger, auf diese Subventionierung ganz zu verzichten.

 

Die Aufgabe des Staates besteht in Zusammenhang mit der Verwirklichung der Chancengleichheit allein darin, sicherzustellen, dass unabhängig vom Einkommen der Eltern jeder, der für ein bestimmtes Studium begabt ist und der diese Begabung nutzen möchte, nicht an finanziellen Schwierigkeiten scheitert. Hierzu ist zweierlei notwendig.

 

Auf der einen Seite ist er von allen Hochschulgebühren zu befreien und dies erfolgt in aller Regel dadurch, dass die geltenden Bestimmungen immer dann einen Gebührenerlass gewähren, wenn der betreffende Student durch Leistungsscheine nachweist, dass er auch über die für das Studium notwendige Begabung verfügt und wenn den Eltern wegen zu geringen Einkommens nicht zugemutet werden kann, diese Kosten zu übernehmen.

 

Auf der anderen Seite sollte durch einen vom Staat gewährten Kredit sichergestellt sein, dass die allgemeinen Lebenskosten während des Studiums bezahlt werden können, ohne dass der Studierende während seines Studiums einer erwerbswirtschaftlichen Arbeit nachgehen muss. Beide Voraussetzungen sind heute im Prinzip bereits erfüllt.

 

Reformmaßnahmen sind nur insoweit erforderlich, als die Höhe der Kredite stets an die allgemeine Kostenentwicklung angepasst werden sollte. Hierbei ist es nicht erwünscht – wie es bisher getan wurde –, dass der Staat in einer Art Gnadenakt von Zeit zu Zeit die Unterstützungssätze erhöht. Durch die Einführung dieses Kreditsystems hat der Staat die Absicht bekundet, dass er die Lebenshaltungskosten des Studiums zu einem bestimmten Teil übernehmen will.

 

Diese Entscheidung schließt mit ein, dass auch die zu gewährende Kreditsumme an den Anstieg der Lebenshaltungskosten automatisch anzupassen ist. Da sich ja an der Grundsatzentscheidung nichts geändert hat, spricht auch alles dafür, dass – ähnlich wie bei der Altersrente – auch diese Unterstützungssätze Jahr für Jahr automatisch angepasst werden.

 

Von diesen Überlegungen unberührt bleibt, dass für Ausbildung in der Vergangenheit zu wenig getan wurde, dass einmal in den ersten Ausbildungsstufen insgesamt zu wenig investiert wurde und dass in allen Ausbildungsstätten die Finanzierung der Infrastrukturen seitens des Staates bisher allzu sehr vernachlässigt wurde. Auch dann wenn man bezweifelt, dass ein kostenloses Studium für alle, auch für die Superreichen, unerwünscht ist, bleibt im Bildungsbereich noch viel zu tun.